Wir fragen nach. fragFINN und »Ein Netz für Kinder« stehen Rede und Antwort.

Dank dem Beitrag von Janine Kamman-Anyiam wissen wir ja jetzt, wie wir den PC konfigurieren müssen, damit Kinder sich sicher im Netz bewegen können und nur auf kindgerechten Seiten unterwegs sind. Welche Seiten eignen sich für Kinder, und wie kann man das Angebot von kindgerechten Seiten fördern? Zwei Personen, die sich mit diesem Thema hervorragend auskennen, sind Melanie Engel, Leiterin der Geschäftsstelle Ein Netz für Kinder, und Medienpädagogin Cornelia Margraf, die bei fragFINN tätig ist. Ich hatte die Gelegenheit, beiden einige Fragen zu ihren Initiativen und den Ideen, die dahinter stecken, zu stellen.

netzofant: Frau Engel, Sie sind die Leiterin der Geschäftsstelle »Ein Netz für Kinder«. Könnten Sie sich und die Initiative unseren Lesern einmal kurz vorstellen?

Frau Engel, Ein Netz für Kinder: »Ein Netz für Kinder« ist eine gemeinsame Initiative von Politik, Wirtschaft und Institutionen des Jugendmedienschutzes, die sich für einen sicheren und attraktiven Surfraum für Kinder einsetzen.

Dazu gehört es einerseits, vorhandene kindgerechte Angebote auffindbar zu machen, zum Beispiel durch die Kindersuchmaschine www.fragFINN.de und durch die Vernetzung der Kinderinternetseiten untereinander, und andererseits den Surfraum durch qualitativ hochwertige Angebote auszubauen und vielfältig zu gestalten. Dies erreichen wir, indem wir die Umsetzung kreativer Ideen mit Fördergeldern unterstützen. Dazu stellen der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) jährlich eine Million Euro und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) jährlich eine halbe Million Euro zur Verfügung.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Teams der Geschäftsstelle ist es, die Menschen mit den kreativen Ideen zu medienpädagogischen und formalen Fragen zu beraten und bei der Beantragung von Fördergeldern zu begleiten.

netzofant: Ein Bestandteil der Initiative ist das Programm zur Förderung guter Kinderangebote im Internet. Welche Arten von Angeboten werden hierbei unterstützt?

Frau Engel, Ein Netz für Kinder: Es werden qualitativ hochwertige Internetseiten für Kinder von circa sechs bis zwölf Jahren gefördert, insbesondere spannend aufbereitete Informations-, Bildungs- und Unterhaltungsangebote, Angebote zur Förderung von medienkompetentem Handeln im Internet sowie altersgerechte Plattformen, welche die Kommunikation, Partizipation und Selbstdarstellung von Kindern ermöglichen und dabei ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

Eine Community für Kinder fördern wir nur, wenn sie hervorragend medienpädagogisch betreut wird, das heißt, wenn die nutzergenerierten Inhalte vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft werden und es Hilfestellungen zum richtigen Verhalten im Social Web gibt.

Bei Wissensthemen achten wir darauf, ob die Informationen so dargestellt werden, dass es Kindern Spaß macht, mit der Seite zu lernen. Lange Texte, bei denen man scrollen muss, haben auf Seiten für Kinder nichts zu suchen – viel interessanter sind für Kinder erklärende Videos oder interaktive Lernspiele.

Die Internetseiten sollten darüber hinaus so angelegt werden, dass möglichst alle Kinder sie nutzen können. Das bedeutet nicht nur, dass sie für alle Kinder bundesweit von Interesse sind und einen freien Zugang ohne Abonnements gewähren, sondern auch, dass sie unabhängig von der jeweiligen technischen Ausstattung nutzbar sind und Kindern mit körperlichen oder geistigen Behinderungen die Teilhabe ermöglichen.

Die enorme Bandbreite der geförderten Internetangebote können Sie übrigens bei www.ein-netz-fuer-kinder.de entdecken, wo wir alle Projekte kurz vorstellen und verlinken.

netzofant: Was kann ich tun, um mich für eine Förderung zu bewerben?

Frau Engel, Ein Netz für Kinder: Sie müssen vor allem eine Idee für ein Angebot mitbringen, das die Kinderinternetseitenlandschaft bereichert, sei es für eine ganz neue Seite oder den Ausbau einer bestehenden Seite.

Das Projektkonzept sollte soweit ausgereift sein, dass Sie grob beschreiben können, was Kinder auf der Seite lesen, hören, sehen und tun können, wie die Seite aussieht und strukturiert ist und wie die Anleitung und Betreuung der Nutzer funktioniert.

Mit diesem Konzept und einer ungefähren Schätzung der Ausgaben, die auf Sie zukommen, gehen Sie in die Beratung, die wir telefonisch oder in der Geschäftsstelle durchführen. Dort erfahren Sie, wie Sie das Projekt im Antragsformular am besten beschreiben und wie Sie einen Ausgaben- und Finanzierungsplan erstellen. Weitere Hilfestellungen stellen wir auf unserer Homepage www.ein-netz-fuer-kinder.de zum Download zur Verfügung.

Sie können eine Förderung von bis zu 50 Prozent der Gesamtprojektkosten, höchstens 200.000 Euro, beantragen, die Ihnen als Anschubfinanzierung dabei hilft, das Projekt auf die Beine zu stellen. Damit werden vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, Vereine oder Einzelpersonen unterstützt, die herausragende Ideen haben, aber nicht über die notwendigen Mittel verfügen, um sie umzusetzen.

netzofant: Frau Margraf, die zweite große Säule der Initiative „Ein Netz für Kinder“ ist die Kindersuchmaschine fragFINN, durch die ein sicherer Surfraum für Kinder geschaffen wurde. Könnten Sie sich und das Projekt fragFINN unseren Lesern einmal kurz vorstellen?

Frau Margraf, fragFINN: fragFINN bietet einen geschützten Surfraum, der speziell für Kinder von sechs bis zwölf Jahren geschaffen wurde. Mit der Suchmaschine für Kinder auf fragFINN.de werden nur kindgeeignete, von Medienpädagogen redaktionell geprüfte Internetseiten gefunden, Kinderinternetseiten werden dabei in den Suchergebnissen ganz oben platziert. Im Erwachsenenbereich von fragFINN.de werden verschiedene Möglichkeiten der technischen Absicherung des sicheren Surfraums vorgestellt. Eltern und Pädagogen finden Informationsmaterial zum Download sowie Linktipps rund um das Thema »Sicheres Surfens im Internet«.

netzofant: FragFINN.de basiert auf einer so genannten Whitelist von kindgerechten Internetseiten. Was genau steckt dahinter?

Frau Margraf, fragFINN: Die fragFINN-Whitelist ist eine umfangreiche Liste aus für Kinder interessanten und unbedenklichen Internetangeboten. Sie entsteht, indem unser medienpädagogisches Team täglich Internetseiten anhand bestimmter Kriterien prüft. Dabei wächst die Liste einerseits durch neu aufgenommene Internetseiten, andererseits werden sich bereits freigegebene Seiten auch immer wieder angeschaut. So ist gewährleistet, dass sich auch künftig auf den Seiten der Whitelist keine problematischen Inhalte finden. Die Suchmaschine fragFINN.de zeigt nur Suchergebnisse an, die sich auf der Whitelist befinden.

netzofant: Welche Kriterien muss eine Website erfüllen, um in die Whitelist aufgenommen zu werden, und wie kann man als Betreiber seine Seite aufnehmen lassen?

Frau Margraf, fragFINN: Es gibt eine Vielzahl von Kriterien, nach denen wir die Prüfung vornehmen. Dazu gehört, dass Kontaktdaten oder Informationen über den Betreiber auf der Website aufgefunden werden können oder dass, sofern auf der Internetseite Daten erhoben werden, sensibel und sparsam mit diesen umgegangen wird. Speziell bei Kinderinternetseiten sollten auch die Eltern in irgendeiner Form mit einbezogen werden. Natürlich schauen wir uns bei fragFINN auch an, ob die Sicherheit der Kinder in Chats gewährleistet ist. Daneben zählen auch der Umgang mit Werbung, Foren und Gästebüchern und Online-Spielen dazu. Grundsätzlich bedarf es also immer einer ganz individuellen Prüfung der jeweiligen Seite, je nachdem welche thematische und inhaltliche Ausrichtung diese hat.

Sämtliche Kriterien können auch im Erwachsenenbereich von fragFINN.de unter http://www.fragfinn.de/download/fragFINN_Kriterienkatalog.pdf eingesehen werden.

Als Betreiber einer Internetseite kann man uns über den webTIPP auf fragFINN.de die Seite vorschlagen. Oder man schreibt uns einfach eine E-Mail. Wir prüfen dann die Seite und melden uns beim Betreiber mit unserer Entscheidung.

netzofant: Zum Abschluss noch eine technische Frage: Wie können Eltern sicherstellen, dass sich ihre Kinder nur auf den Seiten bewegen, die in die Whitelist aufgenommen wurden? Gibt es eine technische Lösung, zum Beispiel eine Kinderschutzsoftware, die Sie empfehlen würden?

Frau Margraf, fragFINN: fragFINN stellt ein Kinderschutzprogramm für das Betriebssystem Windows kostenfrei zur Verfügung, mit dem sicherstellt ist, dass sich Kinder nur auf den geprüften Seiten der fragFINN-Whitelist bewegen können. Und das funktioniert so: Wenn Kinder mit aktivierter Kinderschutzsoftware surfen, wird bei jedem Aufruf einer Internetseite mit dem fragFINN-Datenbestand abgeglichen, ob die Internetseite in der Whitelist verzeichnet ist und entsprechend angezeigt. Die Kinderschutzsoftware lässt sich schnell herunterladen und leicht installieren.

Zudem gibt es eine Reihe weiterer Produkte, in welche fragFINN implementiert ist.

Eine aktuelle Übersicht dazu finden Sie unter http://www.fragfinn.de/kinderliste/eltern/kinderschutz/schutzsoftware.html.

netzofant: Vielen Dank für das Interview!

Autor: Daniel Plotzki

Von | 2017-04-11T13:51:04+00:00 November 28th, 2011|Allgemein, Blog, Grundschule, Medienpädagogik, Schule|0 Kommentare

Über den Autor:

Netzofant

Der netzofant war in der Vergangenheit unterwegs, um Kindern und Lehrkräften an Schulen einen Einblick in die Welt der digitalen Medien zu geben. Diese Eindrücke hat er in vielen Beiträgen gesammelt und für euch bereitgestellt.

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