Soziale Medien senken das Selbstwertgefühl von Kindern

Eine britische Studie hat belegt, was bereits viele Eltern vermutet haben: Die sozialen Medien lassen das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen schrumpfen und sorgen für Unzufriedenheit und andere negative Emotionen. Das liegt vor allem daran, dass eine idealisierte Realität wiedergegeben wird, die für Kinder aber noch nicht greifbar ist. Daher ist es umso notwendiger, die Medienkompetenz von Kindern zu fördern.

Facebook und Co. machen Kinder traurig

Das Internet bietet allerhand Informationen und Antworten auf Fragen, die uns täglich beschäftigen. Oft präsentieren sich die Menschen dabei von ihrer Schokoladenseite: Seien es Blogger mit ihren perfekten Wohnungen, Stars mit perfekten Körpern oder Kinder mit dem perfekten Lifestyle. Social Media und Co. setzen auf Perfektion. Leider verstehen vor allem jüngere Kinder nicht, dass hinter diesen Bildern oftmals sehr viel Bildbearbeitung und Fake steckt: Wohnungen werden perfekt geschrubbt und ausgeleuchtet, Hautunreinheiten einfach weggeschummelt, negative Emotionen nicht verraten. Für die Kinder formt sich eine Realität, die durch und durch perfekt – aber leider völlig surreal ist. Und sie beginnen nach dieser Perfektion zu streben. Sie fragen sich, warum sie nicht auch so einen schönen Körper haben, sind unzufrieden mit ihrem Leben, ihren Noten, ihrem Umfeld. Zusätzlich sind Kinder und Jugendliche mit „Fake News“ und auch „Cybermobbing“ konfrontiert. Besonders Letzteres kann erhebliche Schäden anrichten, da die Zahl der sogenannten „Trolle“ stetig zunimmt und der Ton immer rauer wird.

„Das Problem ist, dass die Jugendlichen sich mit den Akteuren in den sozialen Medien vergleichen, die sich selbst in einer idealistischen Weise porträtieren“, bestätigt auch der Studienleiter Philip Powell.

Soziale Medien beeinflussen alle Lebensbereiche

Forscher der Universität Sheffield haben in einer Langzeituntersuchung nachgewiesen, dass die Nutzung sozialer Medien alle Lebensbereiche von Jugendlichen negativ beeinflussen kann. Wer also viel und oft Facebook, Instagram, WhatsApp und Co. nutzt, sei automatisch unglücklicher. Dazu haben die Wissenschaftler Kinder zu ihrer Gesamtzufriedenheit befragt. Die Ergebnisse: Kinder, die Zugang zum Internet hatten, waren nicht so zufrieden mit ihrem Leben, wie Kinder, die komplett ohne Internet aufwuchsen. Dazu wurden 4.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren befragt.

Diese Unzufriedenheit muss aber nicht sein. Medienkompetente Eltern können ihre Kinder aufklären und sie darüber informieren, dass das Bild der Medien oftmals gefaked ist. Es ist ihre Aufgabe den Kindern zu vermitteln, dass sie nicht alles glauben dürfen, was sie in den Medien sehen. Die meisten Menschen wollen sich so positiv wie möglich darstellen – wir sollten unsere Kinder jedoch dazu ermutigen sich so authentisch wie möglich darzustellen. Ohne Filter, ohne Nachbearbeitung, ohne Fotostudio.

Idealisierte Welten wo man hinsieht

Auch als Bloggerin fällt mir immer wieder auf, wie ideal manche Lebenssituationen präsentiert werden. Bilder auf Blogs ähneln Bildern aus dem neuesten Ikea-Katalog. Schwierige Situationen werden immer mit einem Happy End gemeistert und erzeugen ein warmes Gefühl in der Bauchgegend. Wie viel davon ist wirklich wahr, was ist Fake? Auch als Erwachsene fällt es mir oft schwer zu differenzieren, wem ich noch glauben kann und wem nicht. Und ich stelle fest: Erfolg hängt vor allem davon ab, wie „perfekt“ das Leben dargestellt wird. Perfekte Bilder, perfekte Ausdrucksweise, perfekte Emotionen.

Wir müssen uns und unseren Kindern klar machen, dass wir nach einem Leben streben, dass die wenigsten tatsächlich haben (oder sogar niemand). Wir müssen sie in ihrem Selbstwertgefühl stärken, ihnen beibringen, welchen Quellen sie vertrauen können und dafür Sorge tragen, dass sie zufrieden mit sich sind, so wie sie sind. Dann wird auch die Nutzung der sozialen Medien kein Problem mehr sein (wenn gewisse Regeln zur Unterbindung der Mediensucht eingehalten werden). Immerhin gehören bei 84 Prozent der 12 bis 13-Jährigen Smartphones zum Standardinventar.

Mein Fazit

Soziale Medien sind nicht aufzuhalten und das müssen wir auch gar nicht versuchen. Stattdessen müssen wir unseren Kindern dringend einen gesunden Umgang damit vermitteln. Der Weg dahin führt über viele intensive Gespräche und Aufklärung. Investieren wir diese Zeit!

Von | 2017-05-18T15:18:11+00:00 Juli 6th, 2017|Blog, Medienkompetenz, Social Media|0 Kommentare

Über den Autor:

Yasmin Neese hat die Webagentur der result gmbh – Institut für digitalen Wandel seit 2015 unterstützt. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Privat kennt man Sie unter dem Namen „Die Rabenmutti“. Hier schreibt Sie im gleichnamigen Blog zu den Themen Familie, Literatur, Rezepte, Produkte & Co.

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