Digitale Freizonen und wie wir sie einrichten

Kinder sollten früh an die (digitalen) Medien herangeführt werden. Als Mutter, die selber stark in die Medien involviert ist, kenne ich die Gefahren und Probleme, die damit einhergehen. Dennoch finde ich, dass sie dazu gehören. Ebenso wie digitale Freizonen, wie Pausen vom Fernsehen, Tablet, PC und was es sonst noch gibt. Bei uns herrschen zwar keine strikten Regeln, was den Medienkonsum angeht, dennoch achten wir darauf, dem Kind immer genug Alternativen anzubieten, sodass der Drang nach diesen Medien gar nicht erst auftaucht. Es sei denn es handelt sich um Bücher. Doch: Wie sieht das konkret aus?

Manchmal hole ich unser Mädchen in der Kita ab und bekomme direkt die Frage: „Mama, darf ich gleich KiKA schauen?“ um die Ohren gehauen. Einerseits kann ich den Wunsch total nachempfinden. Sie war den ganzen Tag von 20 anderen Kindern umgeben, hat viel getobt, gemalt, ausprobiert. Jetzt möchte sie zur Ruhe kommen, sich einfach berieseln lassen. Für mich ist das völlig in Ordnung, dass sie nach so einem anstrengenden Tag in der Kita auch eine Fernsehpause einlegt. Wir einigen uns darauf, dass sie schauen kann, bis es Abendbrot gibt. Somit schlage ich direkt zwei Fliegen mit einer Klappe, weil ich zu Hause direkt Kochen und den Haushalt schmeißen kann. Wenn der Tag besonders schön ist, versuche ich sie aber beispielsweise auch auf den Spielplatz zu lenken. Oder wir gehen einkaufen. Somit passiert es auch nicht, dass sie fünf Tage am Stück nun jeden Tag ferngesehen hat. Tatsächlich gelingt es mir so, dass sie unter der Woche nur selten KiKA schauen möchte. Der Wunsch kommt mehr am Wochenende auf.

Am Wochenende darf es gern mal mehr sein

An den Wochenenden versuchen wir viel zu unternehmen: Wir gehen nach draußen, besuchen Spielplätze oder Parks und gehen in die Stadt. Wenn es regnet bleiben wir zu Hause und verkriechen uns bei schönen Brettspielen oder bunten Basteleien. Aber wir schauen auch gemeinsam fern. Gern darf es dann ein schöner Disneyfilm sein. Mir ist nur wichtig, dass wir von Anfang an eine Grenze ausmachen, die eingehalten wird, damit wir noch andere Aktivitäten machen können. Meist werden die Grenzen durch bestimmte Esszeiten festgelegt. Auf diese Deals lässt sich unsere Tochter auch gerne ein.

Manchmal kommt es vor, dass sie nach meinem Smartphone verlangt beziehungsweise danach fragt: Sie möchte Fotos machen oder ein paar Youtube-Videos schauen. Und ich lass sie einfach machen. Wenn ich merke, dass der Konsum zu groß wird, lenke ich sie auf andere Aktivitäten. Noch ist sie nicht in dem Alter, in dem sie ein gutes Zeitgefühl hat. Fünf Minuten oder fünf Stunden? Den Unterschied kennt sie noch nicht so recht. Daher ist es bis zu einem gewissen Alter wirklich notwendig den Medienkonsum zumindest indirekt zu steuern.

Vertrauen ist das A und O

Ich finde, das Kind sollte das Gefühl haben, dass es keinen Geboten unterliegt, sondern sich auf Kompromisse einlässt. Als Teil der Entscheidung quasi. Das schafft auch eine Basis, um später die Medienzeiten gemeinsam festlegen zu können. Immerhin möchte ich ihr später das Vertrauen entgegenbringen, dass sie versteht, dass digitale Freizonen einfach notwendig sind. Ob es mir auf diesem Weg gelingt, wird sich zeigen. Bisher klappt es so sehr gut.

Letztlich muss jede Familie für sich selbst bestimmen, wie sie den Medienkonsum einteilen, ob sie Verbote oder Gebote aussprechen, die Zeiten streng regeln oder ihren Kindern Vertrauen schenken und sie „machen lassen“. Schwierig finde ich es aber, wenn die Kinder den „Babysitter TV“ vorgehalten bekommen. Ein Verhalten, welches ich leider schon selber miterleben musste. Oft war es dabei dann auch noch das RTL-Mittagsprogramm, statt kindgerechte Sender. Hierbei muss ich ganz klar sagen, dass das nicht viel mit Stärkung von Medienkompetenz, sondern vielmehr mit Ruhigstellen der Kinder zu tun hat. Manchmal kann man das sehr gern mal machen – klar. Aber eine Dauerlösung ist dies definitiv nicht. Bitte versucht eine ausgewogene Mischung zu finden und führt eure Kinder altersgerecht an die Medien heran, ohne sie dabei zu überfordern.

Von | 2017-04-28T08:29:43+00:00 Dezember 13th, 2016|Blog, Digitales & Freizeit, Medienpädagogik|1 Kommentar

Über den Autor:

Yasmin Neese hat die Webagentur der result gmbh - Institut für digitalen Wandel seit 2015 unterstützt. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Privat kennt man Sie unter dem Namen "Die Rabenmutti". Hier schreibt Sie im gleichnamigen Blog zu den Themen Familie, Literatur, Rezepte, Produkte & Co.

Ein Kommentar

  1. […] Im Beitrag über Medienpausen habe ich bereits erzählt, wie wir das für unsere Familie lösen und in welchen Situationen Medien nicht genutzt werden dürfen. Auch hier gilt, dass jede Familie eigene Ansprüche hat, die auf jeden Fall zum Tragen kommen sollten. Medien als Ersatz für gemeinsame Familienaktivitäten sollte man sich aber dennoch gründlich überlegen. Es ist wichtig, den Kindern zu vermittel, dass die zwischenmenschliche Kommunikation „in echt“ ebenso wichtig (wenn nicht gar wichtiger) und notwendig ist, wie digitale Freunde und Gespräche. […]

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