Der netzofant trifft auf gameparents.de

Bei dem Workshop »Medienkompetenz und Jugendmedienschutz« der Landesanstalt für Medien NRW am 23. Februar im Haus der Geschichte in Bonn lernte ich Rainer Schmidt kennen, den Vorsitzenden des Vereins Gameparents.de. Vier Wochen später trafen wir uns auf der 6. Medienpädagogischen Netzwerktagung von Spielraum, dem Institut für Medienkompetenz der FH Köln wieder, auf die er mich netterweise im Vorwege aufmerksam machte. Dort ging es dann um sein Thema »Jugend und Gaming«, und ich nutzte die Gelegenheit, ihn kurz zu seinem Verein und dessen Gründungsgeschichte genauer zu befragen.

Hallo Rainer, du hast vor 5 Jahren den Verein Gameparents.de gegründet. Magst du unseren Blog-LeserInnen mal erzählen, was genau ihr macht?

Das Ganze ist ein Jahr vorher als »Spontanidee« an einem Elternstammtisch entstanden. Ich hatte schon länger das Gefühl, dass Eltern in der Medienerziehung ihrer Kinder, besonders im Bereich der Computerspiele, schlicht überfordert sind.
Ich, als aktiver Gamer und auch Vater, habe mir dann gedacht, »Da muss man doch was machen!«. Das war der Grundgedanke, und als das Ganze dann später losging mit Veranstaltungen, für die plötzlich auch Geld notwendig wurde, haben wir das mit Hilfe der Vereinsgründung in neue, organisatorische Formen gegossen. Ganz wichtig war uns die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Was macht ihr konkret?

Einfach gesagt: Wir möchten Eltern helfen, die Medien ihrer Kinder zu verstehen, speziell Computerspiele. Unsere Aufklärung soll bewirken, dass zu Hause eine Diskussion stattfindet und dieses »gegeneinander kämpfen« aufhört. Wir bieten hierfür  Hilfe auf unterschiedlichen Wegen an:
Wir unterstützen beispielsweise bei Elternabenden.
Wir organisieren eigene Veranstaltungen, bei denen wir die Eltern vor die Geräte setzen und sagen: „So, jetzt spielt mal.“ Man kann Computerspiele und deren Wirkungsweisen eben erst verstehen, wenn man selbst davor gesessen hat. Das sind nun mal interaktive Medien, die man selbst aktiv erleben muss, anders als bei einem Film, den ich nur anschaue. Und das versuchen wir auf den Veranstaltungen zu vermitteln.
Darüber hinaus versuchen wir, über Artikelserien eine Diskussion in Gang zu bringen. Wir halten uns auch mit unserer eigenen Meinung zu bestimmten Themen nicht zurück. Wir bejubeln auch bei weitem nicht alles, was im Medienbereich gerade so gehypt wird, sondern hinterfragen das kritisch – Stichwort: Soziale Netzwerke.
Oder: Wir stellen Anleitungen zur Verfügung, wie man – kostenfrei wohlgemerkt – einen Jugendschutz am heimischen Rechner aktivieren kann. Usw.

Dann arbeitet ihr ja fast ausschließlich mit Eltern zusammen: Was für Feedback bekommt ihr von denen?

Direktes Feedback, auf dem man weiter aufbauen kann, ist eigentlich eher selten. Auf den Veranstaltungen kommt es schon häufiger vor, dass Eltern sagen »Das hätte ich mir jetzt schlimmer vorgestellt«, gerade wenn es eben um so viel diskutierte Spiele wie Counterstrike oder so geht. Sie finden es gut und sind dankbar, aber meiner Meinung nutzen sie unser Angebot noch nicht genug. Da sind auch häufig die Schulen die Hemmschwelle. Die sind schwerer zur Zusammenarbeit zu bewegen. Wir würden uns da mehr Offenheit wünschen.
Und wir kommen gerne und versuchen auch mit Hilfe von Partnern, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Da fehlen uns auch häufig die Möglichkeiten, mehr machen zu können.

Für einen Verein wie euren entstehen natürlich auch einiges an Kosten. Wie finanziert ihr euch?

Wir finanzieren uns ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Einnahmen sind bei 12 Fördermitgliedern natürlich nicht viel. Bei Spenden hatten wir in der Vergangenheit ab und zu das Glück, dass auch mal größere Beträge geflossen sind. Dadurch konnten wir in vernünftiges, repräsentatives Infomaterial investieren.
Wir versuchen auch auf uns aufmerksam zu machen, indem wir bei verschiedenen Veranstaltungen dabei sind. Ganz klar im Fokus steht hier die gamescom in Köln. Da sind tatsächlich mehr Eltern und Lehrer unterwegs, als man denkt. Und wir versuchen uns in Netzwerken zu engagieren, wie beispielsweise bei Spielraum von der FH Köln.

Fördermitglieder sind 12 sagtest du, aber wie viele Mitglieder habt ihr insgesamt?

Genau, dazu kommen dann noch 4 aktive Mitglieder, wobei das eigentlich mehr 3,5 sind, weil das 4. Mitglied, unsere Kassenchefin, sich fast nur um die Finanzen und ein bisschen ums Lektorat kümmert.  Ansonsten, wirklich »rausgehen«, da sind wir nur zu dritt. Das ist manchmal schon hart, aber das funktioniert irgendwie, und bisher waren wir auch noch nie so in Not, dass wir eine Veranstaltung absagen mussten oder die nicht hätten stemmen können.

Ok. Fazit zu den letzten 5 Jahren: Was hat dir am allermeisten Spaß gemacht? Was bewegt dich trotz all der Mühen weiterzumachen?

Wenn eine Veranstaltung ein Ergebnis bringt! Wir hatten jetzt vor kurzem eine Veranstaltung in Karst, ein Familien-Computerspiel-Nachmittag, an dem Eltern und Kinder über Spiele diskutierten. Es ist schön zu sehen, wie Eltern nicht nur so skeptisch daneben stehen, sondern auch zum Dialog bereit sind, eventuell ihre Kinder beim Spielen sogar anfeuern, wenn sie schon selbst nicht spielen, oder wenn sie sogar gemeinsam mit den Kindern spielen. Ja, wenn wir in der Lage sind, ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen. Es ist schön zu sehen, wenn eine solche Veranstaltung zu einem Wandel bei den Beteiligten führt. Wenn Eltern feststellen: »Jetzt weiß ich auch, warum das Spaß macht!« Und dann ist das schon der richtige Schritt in die richtige Richtung.
Wie du angedeutet hast, macht das Ganze natürlich auch viel Arbeit! Wir machen das allesamt ehrenamtlich, d.h. wir haben keine hauptamtlich Beschäftigten, die dafür Geld bekommen. Das ist im Prinzip alles neben dem normalen Beruf, der Familie und den Hobbies. Das alles soll daneben ja auch nicht zu kurz kommen. Und wenn man dann solche Erfolgserlebnisse hat, pusht das einen schon sehr. Das macht natürlich logischerweise auch Spaß.

Wenn man mit euch in Kontakt treten möchte, was ist der beste Weg?

Der beste Weg ist unsere Homepage, die so heißt wie der Verein. Da haben wir ein Kontaktformular. Es gibt auch ein Telefon (lacht), jaha! Da ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Da wir ehrenamtlich arbeiten, haben wir natürlich keine Rund-um-die-Uhr-Besetzung.  Eine E-Mail an uns, oder eben via Kontaktformular wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Wenn es dann doch das Telefon sein soll, dann bitte auf den Anrufbeantworter sprechen. Oder aber einfach abends oder an den Wochenenden versuchen.

Rainer, vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für dich und natürlich den Verein gameparents.de!

Autorin: Cathrin Jacob

Von | 2017-04-07T10:48:01+00:00 März 27th, 2012|Allgemein, Blog, Internet-Tipps|0 Kommentare

Über den Autor:

Netzofant

Der netzofant war in der Vergangenheit unterwegs, um Kindern und Lehrkräften an Schulen einen Einblick in die Welt der digitalen Medien zu geben. Diese Eindrücke hat er in vielen Beiträgen gesammelt und für euch bereitgestellt.

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